BIODYNAMISCHER SOMMERMARKT

Ich glaube es war 1983, als ich mit meiner Expertise als angehende Architektin in einem Waldorf-Kindergarten half, das Dach auszubauen - ein zeitaufwendiges Projekt und ich hatte bloß die Semesterferien, um fertig zu werden. Waldorfschulen und -Kindergärten finanzieren sich durch Spenden und die tatkräftige Mithilfe der Eltern.

Ich hatte noch kein Kind und außer ein bisschen Freizeit nichts zu spenden. Aber ich war über beide Ohren in eines der Mitglieder der Einrichtung verliebt, strengte mich also gehörig an, etwas Ordentliches zu bauen. Nach denn Semesterferien blieben mir nur die Wochenenden für die Umbauten. Weil es an Spenden mangelte, ließ ich mich in meinem Eifer sogar überreden, auch die Fenster selber zu bauen. Ein ebenfalls anthroposophisch orientierter Schreiner half mit. Diese Fenster wurden ausgerechnet an einem Wochenende zum Einbauen geliefert, an dem ich auf einem biodynamischen Erntedankfest-Markt meine Kosmetik ausstellte. In meinem schönsten Sommerkleid musste ich immer wieder meinen Stand verlassen und beim Einbau der Fenster helfen.

Als ich zwischendurch zurückgehuscht kam, hatte eine Mutter ihren Finger voll in die Zimt-Karotten-Creme getaucht, eines meiner Produkte, das in großen irdenen Gefäßen aufbewahrt wurde. Sie ließ ihr Kind daran schlecken, hielt meine Kosmetik für Babykost. Nach dem ersten Schrecken konnte ich sie beruhigen, waren doch alle Inhaltsstoffe meiner Kosmetik essbar (und sind es heute noch).