DIE ERSTE PALETTE

1990 erteilte uns eine Firma den ersten Auftrag zur Entwicklung und Herstellung einer eigenen Kosmetikserie. Eine tolle Herausforderung! Der Abholtermin der Spedition saß uns schon im Nacken, wir mussten also alles dran setzen, pünktlich fertig zu sein. Das war das erste Mal, dass wir mit einer Lieferung eine ganze Palette vollbekamen, aber die Technik, wie das korrekte Stapeln und Verschweißen der Palette funktionieren sollte, diese Technik kannten wir nicht!

Nur noch eine Stunde hatten wir bis zur Abholung und genauso lang, um mit den Verpackungsproblemen zurechtzukommen! Wie hoch und wie schwer eine Ladung auf der Palette sein durfte wussten wir ebenfalls nicht, folgerichtig nahm das Unglück seinen Lauf. Dummerweise war der Vorraum zur Produktion und zum Packlager noch nicht betoniert, bestand aus gestampftem Lehm.

Der Hubwagen, der die Palette bewegen sollte, drückte sich unter dem Gewicht mit den Rädern tief in den Lehmboden. Draußen auf der Straße warteten die Jungs von der Spedition schon ungeduldig. Wir schwitzen und fluchten, bis endlich der Bauer von gegenüber uns anbot, mit dem Frontlader das schwere Teil aus dem Vorraum zu heben.

Leider lag die Zufahrt an einer stark befahrenen Straße und dazu in einer unübersichtlichen Kurve. Als der Traktor sich drehte, um die Palette auf die Ladefläche des LKWs zu heben, stürzte der Turm der äußerst mangelhaft verschweißten Palette direkt auf die Straße. Die Glasflaschen, viereckig und damit sehr bruchempfindlich, zersplitterten fast alle und zusammen mit den zerbrochenen Cremetöpfchen bildete sich auf der von der heißen Sonne durchtränkten Straße eine gigantische Schmiererei. Ich weiß nicht mehr, wie viel Zeit es kostete, den Verkehr umzuleiten und die Straßenschmiere zu entfernen, aber das war uns eine Lehre: Alles erstes machte ich einen Kurs im Paletten–Packen!