DIE FARM IN UTAH

Der Vater meines Sohnes besaß ein Haus in den USA - sozusagen im Wilden Westen, hoch in den Bergen gelegen. Einmal im Jahr verbrachten wir dort unseren Urlaub. Der Ort erschien mir ideal für den Anbau von Heilpflanzen zu sein, jene aus biologischen Anbau waren damals noch schwer zu beziehen. Kurzerhand beschloss ich, eine benachbarte Farm zu kaufen - eine Entscheidung aus dem Bauch heraus. Später habe ich mich oft gefragt, was ich mir dabei gedacht habe, mich im Land der Mormonen und Cowboys einzukaufen.

Die 50 Hektar waren und sind überwiegend Weideland, in der Region wird das "Cattle" praktiziert, (Kälber werden mit Brandeisen markiert, Kühe vom Pferd aus mit dem Lasso eingefangen). Meine Idee vom Kräuteranbau, obendrein noch "Bio", brachte Mormonen wie Cowboys zum Lachen.

Aber es sind nette, hilfsbreite Menschen dort in den Weiten des Westens und ich befolgte ihren Rat, die Weiden zum Grasen für die Tiere zu belassen, anstatt sie umzupflügen für den Kräuteranbau. Das Land war ja ursprünglich Wüstensand, es wäre sowieso nichts darauf gewachsen. So wurde ich auf meiner Farm unfreiwillig zur Kuhhirtin, bloß die Ränder der Weide nutzte ich zum Kräuteranbau. Da ich biozertifiziert war, waren es demnach auch die Kühe, zum herzhaften Gelächter meiner Nachbarn.

Natürlich hatte ich noch nie eine Kuhherde besessen, aber mir fällt es grundsätzlich schwer, das zu tun, was alle anderen tun. Am liebsten machte ich "Alles Anders Als die Anderen" (die vier A's, mit denen man, so verraten es Marketingstrategen, alles richtig macht.) Ich ließ meine Kühe nicht impfen, ihnen stattdessen die Hörner wachsen und sie zusammen mit den Bullen auf die Weide. Einen Angus-Bullen ließ ich sogar auf meine Hereford-Kühe los. Voll daneben, meinten amüsiert meine benachbarten Cowboys. Aber ich war stolz auf meinen Bullen und spürte, der Bulle war stolz auf seinen 20köpfigen Harem. Eine nette kleine Herde zuckelte da über die Weiden - etwa 40 Kühe und Jungrinder. 

Einmal im Jahr wurden sie zusammengetrieben und die Jungtiere zur Auktion gebracht, zusammengepfercht in einen großen Korall. Dort hockten die coolen Cowboys mit der Bierdose auf den hölzernen Abgrenzungen und sinnierten über ihre schönsten Rinder und darüber, wer wohl diesmal den besten Preis abräumen würde. Nicht zu glauben, aber wahr: Ich bekam ihn, getreu dem Spruch: "Die dümmsten Bauern ernten die größten Kartoffeln", eine in den USA wohl unbekannte Weisheit. "Meine Herren", kann ich da bloß sagen, da war was los. Doch Cowboys können auch Gentlemen sein, und bald konnten wir uns über eine fruchtbare Zusammenarbeit und Nachbarschaft freuen. Das war 1998. Ich verdiente kaum Geld mit meinen Kühen, einen Markt für Bio-Fleisch gab es damals noch nicht. Allerdings bemühte ich mich auch nicht sonderlich, denn die Herde war ja vor allem dazu da, die Weide nicht verstrauchen zu lassen. Den Dung für den nun zunehmend mehr werdenden Kräuteranbau konnte ich bestens verwenden.

Als 2001 auch in den USA der sogenannte Rinderwahnsinn von sich reden machte, drehte sich das Blatt. Binnen weniger Monate wollten die Menschen nur noch Bio-Fleisch, und ich konnte meine Kühe zum vierfachen Preis verkaufen. Die benachbarten Rancher wollten nun von mir lernen, wie man "auf Bio macht" - seitdem wissen sie auch in Utah, wie es geht. Mit dem Kräuteranbau hatte ich weniger Glück. Ausnahme waren und sind die dort beheimateten und von den Indianern hoch geschätzten Heilpflanzen. So disponierte ich um und erntete nur noch solche Kräuter. Daraus ging die Herrenserie Wild Utah hervor, die bis heute mein persönliches Lieblingsprodukt ist - auch wenn ich es eigentlich für die Männerhaut entwickelt habe.