WIE ALLES BEGANN

Es war ein Hundebiss, mit dem alles anfing, als fast Dreijährige ein ganz schön traumatisierendes Erlebnis für mich. Mit meiner Mutter war ich auf dem Weg zu einer Bank, sie gab meinem Betteln nach, draußen warten zu dürfen – ein dort angeleinter Hund zog mich magisch an. Meine Mutter ermahnte mich noch, dem Hund nicht zu nahe zu kommen, doch kaum hatte sie mir den Rücken zugedreht, fiel ich ihm um den Hals. Das Tier biss kraftvoll zu – in meine linke Wange. Die Hälfte der Wange hing hinunter, ich schrie aus Leibeskräften, da kam meine Mutter schon angerannt, einige Bankangestellte im Schlepptau. Was danach geschah, erinnere ich nicht mehr genau. Nur noch, dass ich ins Krankenhaus eingeliefert und die Wunde genäht wurde.

Immer, wenn ich später auf meine Narbe angesprochen wurde, habe ich steif und fest behauptet, von einem Doktor gebissen worden zu sein. Ganz schön verrückt, ich weiß! Mein Vater sah meine Chancen schwinden, irgendwann zu heiraten und erwog ernsthaft eine Erhöhung meiner Mitgift. Dazu kam es nicht, aber der Tierhalter musste eine ordentliche Summe auf ein Sparkonto hinterlegen – für eine etwaige Schönheitsoperation.

Als ich 16 war, die Narbe prangte immer noch gut sichtbar auf meiner Wange, zogen meine Eltern diesen Schritt in Erwägung. Für mich kam das überhaupt nicht in Frage, aber zu einer Sache ließ ich mich überreden: mein damaliger Kinderarzt sollte meine Narbe gründlich begutachten. Er verschrieb mir eine Salbe mit einem hohen Anteil an natürlichem Wollwachs, die ich in der Apotheke mischen lassen sollte. Zweimal täglich massierte ich damit meine linke Wange, das Abheilen der Narbe ließ sich Zeit. 

Wie viele pubertierende Teenager hatte ich Akne, erstaunlicherweise blühten die Pusteln auf der linken Seite deutlich weniger als auf der rechten. Das motivierte mich, der Rezeptur nachzugehen und mit Hilfe des Apothekers eine eigene Salbe zusammenzustellen. Dies wurde meine erste Creme - unter meinen Freundinnen und Freunden fand sie bald reißenden Absatz. Das war um 1977/1978 herum. Damals hieß sie Thymian Hautcreme (was heute in fast unveränderter Form die SALVIA Creme ist). So wurde aus diesem schrecklichen Kindheitserlebnis letztlich der Start zu einer für mich sehr erfüllenden Tätigkeit. 

Und die Narbe? Ja, sie ging tatsächlich mit der Zeit weg (fast, wenn ich lache, sieht man, dass ich auf der linken Seite zwei Grübchen habe und auf der Rechten nur eines). Das Wollwachs wurde zu einem der wertvollsten Inhaltsstoffe in den unverwechselbaren Cremes meiner Naturkosmetik und ist bis heute, auch unter dem Namen Lanolin, ein wichtiger Bestandteil bei der Behandlung von Narben.



FIRMENENTWICKLUNG

Nach der Errichtung des ersten Firmensitzes für die Kosmetikproduktion zog Martina Gebhardt nach Issing im Landkreis Landsberg am Lech. Parallel leitete sie ihr Architekturbüro weiter und erhielt mehrere Auszeichnungen des Landratsamtes Landsberg für die Renovierung historischer Bausubstanz und die Planung eines gewerblichen Gebäudes in Utting.

1990 konnte sie einen ehemaligen Zehenthof des Kloster Wessobrunn in Pessenhausen bei Rott mit über 1.000 qm Büro- und Produktionsfläche erwerben. Darauf folgte ein denkmalschutzgerechter Umbau der Räumlichkeiten und der dazugehörigen Kapelle. Seit 1992 haben beide Kosmetikfirmen hier ihren Sitz.

1995 wurde ihr Sohn Michael geboren, der das Familienunternehmen übernehmen wird. Ausbau der Produktion auf Flächen einer von mir erworbenen 60 Hektar großen Farm in Utah, USA, die sie in einen biologisch zertifizierten Anbau umwandelte und Kräuter und Heilpflanzen für ihre Kosmetik nutzte. Seit 2014 ist das Kloster Wessobrunn offizieller Firmensitz.